Ein Schlachtfest bei uns? – Nein.

Immer wieder erreichen uns Anfragen, ob wir ein Schlachtfest inkl. Schlachtung ausrichten können. Diese Anfragen lehnen wir grundsätzlich ab: wir haben eine alternative Haltungsform aber keine alternative Schlachtung. Rationale und objektive Argumente, sowie persönliche Ansichten haben uns diese Entscheidung treffen lassen.

Das Schlachtfest in der Geschichte

Bis vor ca. 80 Jahren war Fleisch ein hochwertiges, ja luxuriöses, Lebensmittel. Jeden Tag Fleisch essen; das konnten sich nur sehr wohlhabende Menschen leisten. Die Mittelklasse und die ärmere Bevölkerung hatte nur sehr wenig oder gar kein Fleisch zur Verfügung. Die, die es sich leisten konnten hielten sich ein, zwei Schweine im Stall, die mühevoll mit dem was die Küche abwarf, großgezogen wurden. Die Schweine wurden sehr viel älter. Das lag nicht nur an der Rasse, sondern auch daran, dass die Schweine nicht so energiereiches Futter bekommen haben. Und das wiederum war der Tatsache geschuldet, dass die Lebensmittel mit hohem Nährwert zunächst einmal die Familie ernährten und der Rest für die Schweine war. Weniger Energiezufuhr hieß langsameres Wachstum. Nach 1-2 Jahren wurden die Schweine geschlachtet. Die Schlachtung war ein Mal im Jahr und etwas ganz besonderes. Denn es hieß: der Vorratskeller wurde mit edlen Köstlichkeiten vom Schwein aufgefüllt. Die Schlachtung war wahrlich ein Fest. Schon Wochen, ja Monate vor der Schlachtung war das Fleisch im Haus ausgegangen und man freute sich auf den Nachschub. Nach der Schlachtung wurde sofort verwurstet. Alles wurde verarbeitet. Das gute Fett und das Schmalz, das heute auch weggeschmissen wird, waren wichtiger Energielieferant zu Zeiten harter körperlicher Arbeit.

Die Notwendigkeit ein Tier zu schlachten war damals also eine vollkommen andere als heute. Die Freude, die mit dem Auffüllen der Vorratskammern entstand, kann man sich heutzutage, in Zeiten des Überflusses, nur noch schwer vorstellen. Heute werden viel mehr Tiere geschlachtet als wir benötigen. Ein großer Prozentsatz an Tieren und einzelnen Stücken (Füßchen, Köpfe, Ohren, etc.) werden exportiert. Warum soll es heute noch ein Fest sein ein Tier zu schlachten? Manchmal habe ich das Gefühl, je weiter der Mensch von der Schlachtung entfernt ist, desto mehr zieht es ihn hin.

Auch wenn es Schlachtfest heißt; eine Schlachtung ist, egal wo sie stattfindet, nicht romantisch.

Der historische Hintergrund für ein Fest waren Armut und Not, nicht Wohlstand und Neugierde.

Objektive Argumente

Neben meiner persönlichen Ansicht, gibt es natürlich noch objektive Argumente, die gegen eine Schlachtfest sprechen:

  • Für eine gute Fleischqualität müssen die hygienischen Bedingungen, auch bei der Schlachtung, einwandfrei sein. Darüber hinaus ist die Infrastruktur im Schlachthof optimal, da doch schwere Lasten gehoben werden müssen. Wir haben diese Möglichkeit bei uns am Hof nicht.
  • Das Fleisch, das bei einer Hausschlachtung gewonnen wird ist aus rechtlichen Gründen nur für den eigenen Haushalt bestimmt. Daher ist es für uns nicht möglich, das Fleisch anderweitig zu verwenden oder zu verkaufen. Die Einhaltung dieser Vorschrift wird auch vom Veterinäramt kontrolliert.
  • Bei einer Hausschlachtung wird das Tier mit einem Bolzenschuss betäubt. Im Schlachthof erfolgt dies entweder durch Elektroschock oder CO2-Aufzug. Eine Betäubung durch Bolzenschuss ist beim Schwein nur im Notfall angebracht. Durch die Anatomie des Schweinekopfes ist das Treffen des Gehirns sehr viel schwieriger als bei einem Rind. Das Hirn ist beim Schwein im Vergleich zur Gesamtgröße des Kopfes sehr viel kleiner und liegt tiefer. Bei unseren Berkshire-Schweinen ist durch die Himmelfahrts-Nase das Gehirn noch schwerer zu treffen. Durch die Betäubung mit dem Bolzenschuss kommt es beim Schwein außerdem zu starken Zuckungen der Hinterläufe. Eine Reaktion, die tunlichst vermieden werden sollte, da dies sehr negative Auswirkungen auf die Fleischqualität im Schinken hat. Aus Tierschutzgründen sollte daher auf diese Betäubungsmethode verzichtet werden.
  • Eine Hausschlachtung im Beisein von fremden Personen durchzuführen wäre außerdem Stress für das Tier, da diese sehr “fremdeln”. Auch ein Faktor, der im Hinblick auf eine gute Fleischqualität vermieden werden muss.
  • Der Schlachtprozess ist mit der ausschlaggebende Punkt in der gesamten Produktionskette. Mit einer missglückten Schlachtung kann ich meine gesamte Arbeit davor zunichte machen; und zwar so, dass das Fleisch als Frischfleisch nicht zu verkaufen ist. Für eine Veranstaltung, auf einen alternativen Schlachtprozess umzusteigen, bei dem wir weder Erfahrung noch Routine haben, ist nicht möglich.

 Ich verstehe durchaus, dass sich Menschen für den Schlachtprozess interessieren und finde es auch gut. Allerdings nicht in Form einer Veranstaltung. Es gibt im Internet viele Videos, die schreckliche Bilder von Schlachtungen zeigen. Es gibt aber auch Videos, die den Schlachtprozess genauso zeigen, wie er sein soll. Wer persönlich dabei sein möchte, kann beim lokalen Schlachthof anfragen, ob dies möglich ist.

Und für die, die Blut rühren wollen: so ein großes Erlebnis ist das nicht. Es fühlt sich genauso an, wie wenn man seine Hände in rotes, lauwarmes Wasser steckt in dem Mehlklumpen schwimmen.